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INTERVIEW
„Junge Leser wollen keine Zeitung von der Stange”
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niiu ist die weltweit erste individualisierte Tageszeitung. Jeder Leser kann aus über 18 Printtiteln, darunter etwa die New York Times, Berliner Morgenpost und Bild, sowie aus über 600 Online-Publikationen seine eigene Ausgabe zusammenstellen. Seit knapp sechs Monaten finden zunächst Berliner Abonnenten ihre persönliche Ausgabe morgens im Briefkasten. Ist die individualisierte Zeitung die Zukunft von Print? Das gehe zu weit, sagt Wanja Sören Oberhof, einer der beiden Herausgeber, aber ihren Platz zwischen traditionellen Titeln und digitalen Angeboten werde sie in jedem Fall finden.
Viele Printtitel kämpfen mit Auflagenschwund. Sie entschieden sich dennoch für die Produktion einer gedruckten Zeitung. Warum?
Papier ist nach wie vor die komfortabelste Möglichkeit, Lesern einen Nachrichtenüberblick zu bieten. Natürlich ist es richtig, dass eine elektronische Ausgabe sie schneller erreicht. Mit niiu bieten wir aber in erster Linie Nachrichten an, die nicht zeitkritisch sind. Uns geht es auch nicht darum, Print gegen Online auszuspielen, sondern wir sehen die beiden Formate als komplementär an. Ich kann morgens beim Frühstück gemütlich meine persönliche Ausgabe lesen und im Laufe des Tages mit meinem iPhone die aktuellen Informationen zu der Aschewolke über Deutschland abrufen. Das ist kein Widerspruch. Wir machen uns deshalb auch Gedanken darüber, wie wir unsere Leser künftig mit digitalen Inhalten versorgen.
Mit niiu sprechen Sie ein Publikum von 19 bis 29 Jahren an. Das ist genau die Altersgruppe, von der es heißt, sie würde keine Zeitung lesen.
Zu unseren Kunden zählen auch Geschäftsführer von Berliner Unternehmen oder Firmen, die uns beauftragen individualisierte Mitarbeiterzeitungen zu erstellen. Aber in erster Linie sprechen wir jüngere Leser an. Die Behauptung die "Generation Internet", der ich ja auch angehöre, lese keine Zeitung, halte ich für falsch. Man kann sie allerdings nicht mit einem Produkt von der Stange gewinnen. Kein Mensch zieht ausschließlich Kleidung von H&M oder Tommy Hilfiger an. Genau so verhält es sich mit Zeitungen. Unsere Leser wollen nicht nur die Auswahl, die die Redaktion des Hamburger Abendblatts oder der TAZ vorgibt, sondern ein Best-of und das noch in einem individuellen Layout. Das macht niiu anders und attraktiver.
Sehen das auch die Leser so? Ihr Angebot gibt es in Berlin seit knapp einem halben Jahr.
Wir haben uns zur Aufgabe gesetzt, bis Mai 2010 5.000 Abonnenten zu gewinnen. So wie es aussieht, erreichen wir unser Ziel und schreiben damit eine schwarze Null. Insofern können wir uns nicht beklagen. Auch das Feedback unserer Leser ermuntert uns, weiter zu machen. Natürlich gab und gibt es auch Kritik, beispielsweise Beschwerden über fehlerhafte Zustellungen, die es vor allem zu Beginn gab. Wir haben aber von Anfang an versucht, eine konstruktive Feedback-Kultur aufzubauen, um so die Anregungen und Wünsche unserer Leser möglichst schnell zu erfahren und umzusetzen. Sie haben beispielsweise über Facebook oder Twitter die Möglichkeit, unser Angebot zu kommentieren, wovon die Abonnenten übrigens ausgiebig Gebrauch machen. Sollte es zu einem technischen Problem bei der Produktion kommen, kommunizieren wir dies sofort, ebenfalls über diesen Kanal.
Können Sie uns ein Beispiel geben, wie Sie das Leserfeedback in die Entwicklung aufnehmen?
Wir haben uns anfangs dagegen entschieden, Twitter-Nachrichten oder Blog-Kommentare in die persönliche Zusammenstellung aufzunehmen. Wir waren der Meinung, dass die Leser Social-Media-Einträge nicht erst am nächsten Tag in einem Printmedium lesen wollen. Wir wurden eines bessern belehrt und arbeiten gerade daran, wie wir sie in den Medien-Mix integrieren können, aus dem unsere Leser auswählen können. Eine weitere Änderung betrifft das Aufmacherbild, das anfangs immer das gleiche war. Das geht so nicht, sagten unsere Leser. Wir haben es geändert.
Sie finanzieren sich über einen Copy-Preis von 1,80 Euro und über Anzeigenkunden. Die müssten niiu eigentlich lieben: Junge Zielgruppe und dann noch individuell ansprechbar.
Für Anzeigen-Kunden ist unser Konzept natürlich äußerst attraktiv. So hat BMW beispielsweise Anzeigen geschalten, in der jeder Leser mit seinem Namen angesprochen wurde. Ein anders Beispiel ist ein Shampoo-Hersteller, von dem unsere weiblichen Leser eine andere Werbung erhielten als unsere männlichen. Der Streuverlust ist minimal. Hinzu kommt, dass individualisierte Anzeigen von den Lesern ganz anders wahrgenommen werden, da sie zu unserem Gesamtkonzept gehören. Natürlich achten wir genau darauf, dass der Datenschutz eingehalten wird. Unsere Anzeigenkunden erhalten keine personenbezogenen Daten von uns.
Die Verlagshäuser hingegen müssten Sie eigentlich fürchten. Ein neuer Konkurrent auf dem Platz.
Nein eigentlich nicht, denn sie verdienen in erster Linie Geld mit uns als Lieferanten von Inhalten. Wir haben bisher 18 Partnerschaften und sind im Gespräch mit weiteren Verlagen. Außerdem sehen sie, dass wir ihnen keine Leser wegschnappen. Im Gegenteil, wir erschließen neue Leserschichten, die sich einer traditionellen Tageszeitung verschlossen haben. Die großen Verlage betrachten uns eher mit einer gewissen Neugierde und finden es spannend, was wir machen.
... um womöglich mit einem ganzen Strauß an Titeln, den die Verlage anbieten, schnell nachzuziehen.
Das mag bei Zeitschriften vielleicht der Fall sein. Aber gerade bei Tageszeitungen ist es kaum vorstellbar, dass beispielsweise die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ihr Angebot für die Titel aus dem Axel Springer Verlag öffnet, oder umgekehrt. Und das ist gerade das, was niiu ausmacht: Die volle Auswahl des gesamten Informationsspektrums. Unsere unabhängige Stellung hilft uns dabei enorm.
Was bringen die nächsten sechs Monate?
Wir wollen mehr Lebensgefühl in die Zeitung bringen. Wir arbeiten also daran, dass sich Leser das Layout noch individueller gestalten können. Zudem kommt die Expansion in andere Städte wie München, Frankfurt, Köln oder Stuttgart. Und wir planen auch, uns international aufzustellen. Eine Schwierigkeit ist dabei, ein funktionierendes Vertriebsnetz aufzubauen. Bei einer herkömmlichen Zeitung ist es gleichgültig, welches Exemplar der Bote in Ihren Briefkasten steckt. Bei einer individualisierten Zeitung macht das natürlich einen erheblichen Unterschied. Vorstellen könnte ich mir auch, dass künftig im Bahnhofskiosk ein Ausgabegerät steht, an dem sich Reisende ihre Zeitung ad hoc zusammenstellen können. Aber das ist wirklich noch Zukunftsmusik.
Wanja Sören Oberhof arbeitete zusammen mit seinem heutigen Geschäftspartner Hendrik Tiedemann das niiu-Konzept, das von der InterTi GmbH realisiert wird. Der 24-jährige, der nach seinem Schulabschluss die Veranstaltungsagentur L&O Events gründete, studiert neben seiner unternehmerischen Tätigkeit Unternehmensgründung und Nachfolge an der Berliner Hochschule für Recht und Wirtschaft. Als Referent hält er weltweit Vorträge über die neue Generation von Tageszeitungen.
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Marc Voland
Account Manager
Storymaker
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TRENDS & PRAXIS
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"Hilfsaktion ReCycle" - Tue Gutes und spende ein Fahrrad für Südafrika
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Im Jahr der Fußball-WM richtet sich der Blick auf das Gastgeberland Südafrika. Dort müssen drei Viertel der Bevölkerung ihren Weg etwa zu Schule oder Universität zu Fuß zurücklegen und dies oft kilometerweit. Da bietet das Fahrrad oft die einzige Möglichkeit mobil zu sein. Und mit dem Wissen, dass in Deutschland Millionen Fahrräder nutzlos im Keller verstauben, die in Südafrika noch wertvolle Dienste leisten können, war meine Idee für ein dortiges Hilfsprojekt geboren.
Gestartet haben wir die Aktion "ReCycle" im März 2010 gemeinsam mit unserem Logistikpartner Hermes zugunsten des SOS Kinderdorf e.V. Die Aktion hilft Kindern in den SOS-Kinderdorfeinrichtungen in Kapstadt und Pietermaritzburg und soll weitere bedürftige Menschen mit gebrauchten Fahrrädern ausstatten. Der erste Frachtcontainer wird zu Beginn der Fußball-WM in Kapstadt ankommen.
Bei der Projektplanung war uns von Beginn an klar, dass die Aktion nur Erfolg haben wird, wenn es mithilfe unserer PR-Agentur Storymaker gelingt, die Medien für das Projekt zu interessieren, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Das ist uns einen Monat nach Projektstart bereits mehr als gelungen. Bundesweit haben schon zahlreiche Medien über ReCycle berichtet. Einen wichtigen Anteil am PR-Erfolg haben dabei die vielen prominenten Unterstützer aus Sport, Kultur und Gesellschaft, die wir im Vorfeld für unsere Aktion gewinnen konnten. So hat zum Beispiel Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann sofort sein altes Fahrrad aus dem Keller geholt. Auch Basketballstar Dirk Nowitzki, Opernsänger René Kollo und viele mehr riefen spontan zum Mitmachen auf. Dank Storymakers Kontakten zum HSV haben uns auch die afrikanischen Fußballprofis beim HSV unterstützt, was bundesweit Gehör in der Presse fand - mit Höhepunkt in der BILD-Zeitung.
Über das große mediale Interesse und die dadurch erzielte hohe Resonanz in der Bevölkerung freuen wir uns natürlich sehr. Wir nähern uns aktuell dem tausendsten gespendeten Fahrrad! Das macht uns stolz und dankbar und wir freuen uns, bedürftigen Menschen auf diesem Weg ein Stück mehr Lebensqualität zu schenken. Die Aktion zeigt uns aber auch, wie wichtig professionelle PR-Arbeit für ein Projekt dieser Art ist und wir sind froh mit Storymaker einen erfahrenen Partner an unserer Seite zu wissen. Für den guten Zweck hat die Agentur übrigens auch selbst Zugeständnisse im Budget gemacht, was wir sehr zu schätzen wissen.
Jetzt hoffen wir bis zum WM-Start auf viele weitere Fahrradspenden und breite Berichterstattung in den Medien, damit diese gute Sache ein Erfolg auf der ganzen Linie wird!
Alle Informationen zur Aktion sowie das Online-Abholformular gibt es unter: www.fahrrad.de/recycle
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René Marius Köhler ist Gründer und Vorstand der Internetstores AG in Esslingen, die mit fahrrad.de den größten Online-Handel für Fahrräder in Deutschland betreut.
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AGENTUR: INTERN
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Storymaker begleitet Neustart von Itellium
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Storymaker unterstützt die Itellium Services GmbH aus Essen bei der Positionierung in der Wirtschaftspresse. Die ehemalige IT-Tochter des Arcandor-Konzerns agiert seit November als eigenständiger, inhabergeführter IT-Dienstleister am Markt. Mit rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet Itellium End-to-End-Dienstleistungen für die Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette seiner Kunden an. Der Branchenfokus liegt auf dem Handel sowie weiteren Bereichen mit komplexer Supply Chain wie dem Großhandel und der Fertigungsindustrie.
Teile der ehemaligen IT-Tochter des insolventen Arcandor-Konzerns sind in ein eigenständiges, inhabergeführtes Unternehmen überführt worden. Gesellschafter und Geschäftsführer sind Jens-Uwe Holz und Uwe Brückner. Beide verfügen über langjährige Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen in der IT-Branche.
"Bekanntheit, Reputation, Kompetenz und Glaubwürdigkeit sind für Itellium nicht nur in der Startphase zentrale Bausteine für den Erfolg, die wir durch kontinuierliche PR-Arbeit mit Leben füllen wollen", sagt Oliver Kirch, Leiter der Itellium-Unternehmenskommunikation. "Ich bin mir sicher, dass durch eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit ein neues, klares Bild von Itellium als eigenständiger, spezialisierter IT-Dienstleister am Markt entsteht."
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Gold für PONS-Kampagne
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PONS hat für seine Kampagne "Rechtschreibung 2.0" einen Gold Award in der Kategorie "Integrierte Kampagnen" gewonnen. Verliehen wurde der Preis während der Leipziger Buchmesse von dem Fachmagazin Buchmarkt, das mit den Buchmarkt-Awards zum elften Mal herausragende Marketingkommunikation auszeichnet. Eingereicht wurden über 100 Projekte, aus denen die Jury 25 Gewinner in acht Kategorien auszeichnete. Storymaker hat die PONS-Kampagne mit Social-Media-PR begleitet.
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... und Silber Award für den Storyletter
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Der Storyletter 12. 2009 Jahresende Spezial erhielt bei dem internationalen Design-Wettbewerb Astrid Awards einen Silber Award. In der Kategorie Newsletter zeichnete die Jury des amerikanischen Preisverleihers MerComm den monatlichen Newsletter von Storymaker für seine außergewöhnliche Gestaltung aus. Für den Storyletter ist dies die dritte internationale Auszeichnung in Folge.
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FÜR SIE GELESEN
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An die Arbeit
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Erfolgsgeheimnisse von jungen Unternehmern? Hat man ja wirklich schon mehr als genug gelesen. Und doch ist "Rework" von Jason Fried und David Heinemeier Hansson, den Köpfen hinter der Softwarefirma 37signals, anders. Das liegt vor allem an der Konsequenz des Business-Ratgebers, der zum einen den Erfolg des kleinen Unternehmens 37signals erklärt, zum anderen die eigenen Ratschläge auch in Buchform nicht aus den Augen verliert - das Werk folgt seinen Tipps bis ins kleinste Detail.
So raten Fried und Hansson beispielsweise kleineren Unternehmen dazu, ihre PR auf die Lehre auszurichten. Nicht Pressemitteilungen an sowieso komplett überlastete Journalisten seien der Weg zu initialer Bekanntheit, vielmehr sollten Unternehmen ihre "Lessons learned" an die potenziellen Interessenten und Kunden bringen - durch Blogbeiträge, Artikel, Vorträge - oder eben Bücher. Ein Tipp, der gut ist - und von Fried und Hansson gleichzeitig eins zu eins in Form des Buchs "Rework" umgesetzt wird. Doch das ist nur einer von dutzenden Ratschlägen, die in "Rework" zu finden sind.
In knappen, maximal dreiseitigen Kapiteln erklären die beiden Unternehmer und Autoren den Umgang mit nutzlosen Meetings, Workaholismus, dem Me-Too-Phänomen, richtiger Einstellungspolitik, zu geringer Produktivität, unnötiger Planung und fehlender Eigenmotivation. Das immer kurz, knapp und knackig - sehr eingängig und an konkreten Beispielen aus dem eigenen Unternehmen 37signals erläutert. "Rework" bekommt man gut in einem Nachmittag durch. Und fühlt sich danach wirklich bereichert. Wer sich für Unternehmertum, Produktivität oder nur das Vermeiden unnützer und endloser Meetings interessiert, der sollte sich das Buch zulegen. Ein echter Geheimtipp!
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Björn Eichstädt
Managing Director
Storymaker
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KULTURREDAKTION
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Gar keine Komödie
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Krimis sind überhaupt nicht mein Ding. Da ich mich zu sehr in Geschichten hineinversetze, bin ich in dieser Hinsicht eher mimosenhaft. Doch trotz aller plastischen Beschreibungen von Fliegenmaden, die das Opfer am lebendigen Leib zerfressen, verkohlten, aus der Erde ragenden Füßen und anderen Abscheulichkeiten, habe ich The Dante Club regelrecht verschlungen.
Das liegt sicherlich am Setting dieses Erstlingswerks des Dante-Kenners Matthew Pearl: das Boston des Jahres 1865, in dem zeitgenössische Größen der amerikanischen Literaturgeschichte schalten und walten - nicht nur für eine Absolventin der amerikanischen Literaturwissenschaften spannend. Die Hauptcharaktere sind der Schriftsteller und Dramaturg Henry Wadsworth Longfellow, der Arzt und Schriftsteller Dr. Oliver Wendell Holmes, der Lyriker und Harvard-Professor James Russell Lowell und ihr Verleger J. T. Fields.
Diese vier haben sich daran gemacht, Longfellows erster amerikanischer Übersetzung der Commedia von Dante Alighieri den letzten Schliff zu geben. Die Veröffentlichung dieses Werks widerstrebt jedoch der Harvard Corporation, dem leitenden Gremium der ältesten Universität des Landes. Die Corporation befürchtet, dass der Aberglaube im Werk des Katholiken Dante die zarten protestantischen Seelen in Unruhe bringe.
Dennoch machen sich die Literaten ans Werk. Bis eine Reihe mysteriöser Morde an "Bostoner Brahmanen" - wie sich die Elite der puritanischen Stadt nennt - ihre Arbeit ins Stocken bringt. Diese Morde sind nicht nur besonders grausam, sondern kommen den Dante-Kennern seltsam vertraut vor: Jeder einzelne Mord gleicht bis ins Detail den Höllenstrafen aus Dantes "Inferno", dem ersten Teil der Commedia, den die Autoren und ihr Verleger gerade redigieren. Steckt hinter den Morden die Harvard Corporation, die versucht, die Übersetzung und Publizierung durch den Dante Club zu verhindern?
Bis zum Schluss bleibt es spannend. Und zwischendrin lässt der in Harvard und Yale ausgebildete Pearl immer wieder wichtige Episoden der amerikanischen Geschichte und Streitpunkte der 1860er einfließen, wie Abolitionismus, Bürgerkrieg, Segregation oder Einwanderungsfragen. Ein wahrlich fesselndes Buch - ich habe die 384 Seiten an einem Wochenende geschafft.
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Kristina Frayne
Account Executive
Storymaker
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